1985

Dhaulagiri | 8167 m

Kaum dem Schneesturm an der Annapurna entronnen, stiegen Hans Kammerlander und Reinhold Messner in das tiefste Tal der Welt hinunter. Das Kali-Gandaki-Tal trennt die beiden Achttausender Annapurna und Dhaulagiri voneinander und bildet an manchen Stellen eine Schlucht von fast 7000 Metern.

Die Gipfel der beiden Berge liegen nur rund 30 Kilometer voneinander entfernt. Doch was so nahe liegend erscheint, ist in Wirklichkeit so unendlich weit. Es gehörte schon eine gehörige Portion Überwindung dazu, sich nach dem Erfolg in der Annapurna-Nordwestwand nun noch einmal neu zu motivieren und diese abermalige Schinderei an einem Achttausender ein weiteres Mal auf sich zu nehmen. Doch der alte Fuchs Messner überzeugte den zweifelnden und fast lustlosen Hans Kammerlander. Messner war 1977 schon einmal am Dhaulagiri gescheitert, als er versuchte die 3000 Meter hohe Südwand zu durchsteigen. Und auch 1984 waren Messner und Kammerlander im schlechten Wetter am Dhaulagiri gescheitert und hatten tagelang im Sturm in einer Gletscherspalte ausharren müssen. Ein Jahr später nahmen sie nun den Nordwestgrat und benötigten tatsächlich nur drei Tage, um im strengen Alpinstil den Gipfel zu besteigen und das Basislager wieder zu erreichen. Man könnte sagen, Messners Sturheit hatte gesiegt und Kammerlander hatte dadurch einen Achttausender gewonnen.

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Zurück nach Morgen – Augenblicke an den vierzehn Achttausendern