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19. März 2008 Hans Kammerlander war nun schon seit zehn Jahren
nicht mehr in Tibet. Weil der Höhenbergsteiger die Politik Pekings
kritisiert, bekommt er kein Visum mehr. Im Interview mit der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er über Begleitoffiziere
beim Klettern, kulturellem Völkermord und einen Olympia-Boykott.
Herr Kammerlander, welche Erfahrungen haben Sie in Tibet mit
den Chinesen gemacht?
Einerseits sind die Chinesen scharf auf die Gebühren, die sie für
die Besteigung der hohen Berge verlangen. Andererseits misstrauen
sie den Bergsteigern, weil diese in ihren Ländern Informationen
über die chinesischen Verbrechen verbreiten. Mir scheint, dass man
vor allem Alleingänger, die auch einmal den Kontakt zu tibetischen
Familien suchen, nicht will. Größere Bergsteigergruppen sind
einfacher zu kontrollieren und zu isolieren.
Sie bekommen chinesische „Begleitoffiziere“ zur Seite
gestellt.
Das sind Militärs, die mit dem lukrativen Job für irgendetwas
belohnt werden. Sie sollen zum Beispiel aufpassen, dass man keine
militärischen Anlagen fotografiert. Meistens kommen sie aber nur,
um abzukassieren und die Ausrüstung, die ihnen gestellt wird,
schnell wieder zu verkaufen. Sie wären eigentlich auch dafür
zuständig, achtzugeben, dass die tibetischen Träger korrekt
bezahlt werden und nicht zu viel tragen müssen. Das ist ihnen aber
völlig egal. Sie behandeln die Träger wie Menschen zweiter Klasse.
Kann man mit den Offizieren über die Lage in Tibet sprechen?
Als wir mit einem Begleitoffizier an einem zerstörten tibetischen
Kloster vorbeikamen, habe ich ihn gefragt, wie es dazu gekommen
sei. „Ein Erdbeben“, sagte er. Auf mein Nachhaken, ob es sich um
ein chinesisches Erdbeben gehandelt habe, hat er mich nur eiskalt
angeschaut.
Haben die Chinesen irgendetwas Gutes nach Tibet gebracht?
Es ist eigentlich nicht meine Art, über andere Völker herzuziehen.
Aber ich finde einfach nichts Gutes. Ich mag keine Schlächter,
noch dazu dort, wo sie nichts zu suchen haben.
Der Dalai Lama hat von „kulturellem Völkermord“ gesprochen.
Das Wort des Dalai Lamas, der für seinen milden Ton bekannt ist,
stimmt zu hundert Prozent. Als ich noch öfter in Tibet war, gab es
dort schöne tibetische Siedlungen. Die Chinesen haben alles
abgerissen und überall ihre viereckigen Industrieblechbuden
hingebaut. Sie sind Meister der Zerstörung. Das sieht man auch am
Mount Everest. Dort haben sie mittlerweile den Weg bis zum
Basislager asphaltiert - auch, damit das olympische Feuer bequemer
auf den Gipfel gebracht werden kann.
Haben Sie Misshandlungen von Tibetern mitbekommen?
Bei meinen Vorträgen zeige ich eine Filmsequenz eines rumänischen
Alpinisten. Darauf sind Tibeter, auch Frauen und Kinder, zu sehen,
die über einen 5700 Meter hohen Gletscherpass von Tibet nach Nepal
zum Dalai Lama nach Dharamsala pilgern. Nach chinesischem Recht
ist das verboten. Man sieht in dem Film, wie sie nacheinander
umfallen, abgeknallt von chinesischen Grenzsoldaten. Alles, was
die Chinesen dazu zu sagen hatten, war: Wir sind angegriffen
worden.
Bergsteiger haben oft nur eine einzige Chance, einen
Achttausender zu besteigen. Auch die Teilnahme an Olympischen
Spielen ist eine einmalige Gelegenheit. Wie sehen Sie vor diesem
Hintergrund die Boykott-Forderungen?
Ich habe fast alle Achttausender bestiegen und kann deshalb leicht
reden. Weil es mir aber nie darum ging, Gipfel zu sammeln, würde
ich heute wohl dennoch auf eine Besteigung von der tibetischen
Seite verzichten. Was die Olympischen Spiele angeht, die an den
denkbar schlechtesten Ort vergeben wurden, wünsche ich mir
zumindest, dass die erfahrenen Topleute, die auf eine Teilnahme
nicht mehr unbedingt angewiesen sind, wegbleiben.
Die Fragen stellte Timo Frasch.
Text: F.A.Z., 19.03.2008, Nr. 67 / Seite 3
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MONTURA...
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